Sonntag, 18. Juni 2017

Mein Papa ...


... wird mal ein Buch.

Mein Papa, Mitte 70 hat alters Demenz. Noch ist es im grünem Bereich, aber wir stellen uns bereits darauf ein das es schlimmer werden wird. Trotzdem sind so einige Begegnungen einfach nur lustig, vor allem wenn man sie danach noch mal erzählt.

Meine Mama ist jeden Tag ein wenig mehr dabei am Rad zu drehen, schließlich muss sie mit der Situation jeden Tag klar kommen. Gerde auch weil mein Papa sehr selbstständig war, mit angepackt hat und immer voll dabei. Aber nun ist es wie es ist und wir machen das Beste daraus.

Eine kleiner Ausschnitt aus dem, wie es mit meinem Papa immer ist.

"Meine Mama ist ein paar Tage weg gefahren und hat meinem Papa auf einem Zettel folgendes aufgeschrieben: Blumenerde 10 oder 12 L.

Bei mir klingelt das Telefon und mein Papa dann so: das gibt es nicht in dem Geschäft und was soll denn das L hinter der Zahl überhaupt heißen, ist doch Erde drin und keine Luft. Oder heißt das Liter? Aber wieso denn Liter und nicht Kg?"

Er kam dann auch selber drauf das es ja logisch ist das man es in L auszeichnet. Nur die Momente in denen die Erinnerung daran weg ist, wird es halt witzig, auch wenn nicht so gewollt.

Mein Papa hatte einmal ein Handy dabei. Steckte in seiner Jacke Innentasche. Er hat dann später folgendes erzählt:

"Ich stehe da und irgend was macht Musik. Da hab ich dem neber mir gesagt er klingelt und der Mann dann: Nein, Sie klingeln in der Jacke!"

Ich hab mich so weg gebrüllt. Wir haben Tränen gelacht und konnten kaum noch aufhören weil mein Papa mit Handy und PC echt nix anfangen kann, aber alleine sich vorzustellen wie er merkt das es in seiner Jacke klingelt, einfach zu geil.


Sonntag, 4. Juni 2017

Es ist nicht ...


... einfach die Einzige zu sein die nichts erreicht hat.

In meiner Familie hat jeder eine Ausbildung gemacht, jeder hat etwas in seinem Leben erreicht. Ich hingegen habe keine Ausbildung gemacht, ich wusste überhaupt nicht was ich will. Mal abgesehen davon das ich auch zu nichts Lust hatte. Ich war eh schon immer anders als alle anderen. Jeder hatte ein Ziel, war motiviert, strukturier, ich hingegen war das alles nie und bin es auch heute nicht.

Selbst meine Nichten gehen ihren Weg. Die Große macht ihre Ausbildung und selbst die "kleine" weiß mit ihren 17 Jahren schon wohin es gehen soll.

Ich bin nur Mutter, sonst nichts. Ich bin zu Hause, versuche mein Chaos zu bewältigen und komme irgendwie nie vom Fleck. Das macht mich traurig und für mein Selbstbewusstsein ist es natürlich auch nichts zu sehen wie es bei allen läuft, das sie schon immer, auch im Freundeskreis, ganz anders aufgestellt waren als ich.

Ja Mutter sein ist nicht einfach und als Alleinerziehende schon gar nicht. Man kann mir noch so oft sagen wie toll ich das mache und das man Respekt davor hat wie ich meinen Erlebnissen und den Kindern (eins mit ADS und eins mit hohem IQ) alles schaffe. Aber das sieht von außen immer so toll aus und auch darin bin ich Meister der Darstellung. Schwäche kann ich mir nicht erlauben und auch sonst kann ich wohl kaum erzählen wie oft ich am Ende bin und kaum noch Kraft habe alles zu regeln.

Denn helfen kann mir keiner und wer sollte das auch sein? Das ist etwas was ich lernen musste. Nur weil man sich als "Freund" bezeichnet, heißt das nicht das es auch so ist. Viele Lernphasen waren dafür nötig. Deshalb gibt es in meinem Leben keine Freunde wie bei anderen. Ich schweife vom Thema ab, denke auf das "Freunde" Ding komme ich noch mal zurück wenn mir danach ist.

Wenn ich nur ein wenig von den tollen Genen abbekommen hätte wie meine Schwester oder Cousing und Cousine, dann wäre mein Leben anders verlaufen. Ja, ja, ich jammer und mach nix, aber so klingt es jetzt nur. Ich bin etwas anders als andere Menschen und das alleine in den Griff zu bekommen fällt mir wahnsinnig schwer.

Heute mal ganz nachdenklich über mich selbst.


Freitag, 2. Juni 2017

Das denken mancher ...


... Leute ist nicht nachvollziehbar.

Die Tage wurde in einer FB Gruppe für Sarkasmus ein Foto gepostet das einen Mann im Anzug zeigt, der sich zu einem kleinen Mädchen (ca. 3-4 Jahre), in einem Ballkleid runterbeugt. Beide machen einen Kussmund. Auch wenn die Gruppe Sarkasmus heißt, werden dort auch mal witzige Dinge gepostet, also eigentlich alles halb so wild.

Ich habe auf dem Foto einen Vater gesehen, der sich für ein Hochzeitsfoto zu seiner Tochter runter beugt. Es war ein sehr schönes Foto von den beiden. Was aber von sehr vielen daraus gemacht wurde hat mich doch ein wenig verärgert und es war für mich nicht im geringsten nachvollziehbar. Kommentare wie:

Kinderhochzeit

Phädofiles Dreckschwein

Kinderschänder

So was gehört verboten

Das Schwein sollte man erschießen

und noch andere Sachen die wesentlich schlimmer waren.

Ein unschuldiges Foto, von der Hochzeit der Eltern, die noch 2 Mädchen haben und die auch in einem Ballkleid fotografiert wurden, wird dazu genutzt Dinge zu unterstellen die völlig aus der Luft gegriffen sind. Das alles wäre nicht im geringsten so aus dem Ruder gelaufen, wenn auf dem Bild z.B. ein deutscher Vater mit seiner Tochter zu sehen wäre, oder von mir aus auch ein Russe oder woher auch immer.

Das Paar kommt anscheinend aus einem der südlichen Länder. Dunkle Haare, eine etwas dunklere Haut. Darauf muss man ja sofort anspringen. Unter diesem Post, bevor er für Kommentare gesperrt wurde, sind Dinge geschrieben worden die so weit unter der Gürtellinie sind, das ich erschrocken war wie viele so Ausländerfeindlich denken.

Ich habe im Bekanntenkreis einige Ausländer, auch durch mein Ehrenamt im Sportverein habe ich mit sehr vielen Menschen zu tun die nicht aus Deutschland kommen. Ich bin auch mit vielen Ausländern groß geworden. In meiner Zeit kamen die Albaner nach Deutschland und egal aus welchem Land sie gekommen sind, hatte ich damals wie heute keine Probleme mit ihnen.

Natürlich mag man nicht jeden und es kotzt mich auch an das viele der Meinung sind hier können sie machen was sie wollen, denken unsere Kultur ist scheiße, können vor allem mit uns Frauen umgehen als wären wir Freiwild. Aber das sind nicht alle und nicht alle Menschen, egal woher, sind gleich. Natürlich hat auch jeder seine eigenen Erfahrungen gemacht, die teilweise zur Einstellung auch beitragen. Dennoch gerechtfertigt das in keinster weise so unterirdische Äußerungen zu machen.

Der Post heute ist eher nachdenklich, weil es mich schon beschäftigt hat. Sonst würde es ja hier nicht stehen.

Als Abschluss Satz zu dem Ganzen, möchte ich einen Spruch von dem Mann einer Freundin schreiben. Er ist für jede Nation passend und vielleicht regt er auch etwas zum nachdenken an.

Wenn man ihn fragt ob er Ausländer ist, antwortet er ganz locker:


"Nein, ich bin kein Ausländer, ich bin Ägypter"